Seit der Ausladung des russischen Schachspielers und Regimekritikers Gari Kasparow brennt im Weblog von Sabine Christiansen, aber auch im Forum des FOCUS, der Baum. Aufgrund angeblicher "technischer Probleme" konnte Kasparow in der Sendung vom 10.12.06 nicht dazugeschaltet werden - etwas, das beispielweise Sky TV kurz davor mühelos gelungen ist.
Da bleiben zwei Erklärungsalternativen: die ARD ist auf einem extrem schlechten technischen Stand. Oder aber es war eine Lüge. Klaus Bednarz widerspricht inzwischen der ersten Alternative. Beides nicht sehr schmeichelhaft für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen, das von unseren Gebühren bezahlt wird. Eigentlich ein Riesenskandal und es zeigt sehr deutlich die Verwahrlosung der politischen Kultur in Deutschland, dass so etwas möglich ist, ohne dass es das Top-Thema aller Konkurrenz-Medien wird.
Sollten die "technischen Probleme" eine Lüge gewesen sein, so muss Christiansen von irgendwoher die Bitte oder Anweisung bekommen haben, Kasparow auszuladen. Hat Schröder angerufen? Oder der russische Botschafter? Hat Frau Christiansen Angst vor einer verstrahlten Zukunft in ihrem Ruhestand bekommen? Hat die Bundesregierung daraus gelernt, wie Moskau die Abnehmer seines Gases behandelt, daraus, wie sich "Preispolitik" gestaltet, wenn ein Land zu russlandkritisch wird? Wollte man Kasparow womöglich das Leben retten? Oder unsere Gaspreise?
Eins wird jedenfalls überdeutlich: Grundrechte - im Grundgesetz als unumstößlich festgehalten - werden butterweich, sobald ökonomische Interessen betroffen sind.
